Vorwort des Präsidenten
Präsidium nach dem Rotationsprinzip: Koketterie oder Teil im Puzzle von HYDRO?

Die Gründer von HYDRO verankerten im Aktionärsvertrag den Grundsatz eines turnusmässigen Präsidiums. Deshalb trete ich mein Amt voller Zuversicht ab.
Nach sechsjähriger Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident von HYDRO Exploitation ist für mich nun die Zeit für einen Wechsel gekommen. Sechs Jahre erscheinen lang und kurz zugleich: Hinter uns liegen die Corona-Jahre, die Energiekrise, der daraus resultierende starke Umsatzanstieg des Unternehmens und schliesslich die Umstrukturierung der Direktion, die heute Gestalt annimmt. Ich freue mich, nun den Stab weiterzugeben.
Gleiche Chance für die Mitgestaltung der Zukunft
Als im Jahr 2002 drei führende Betreiber von Wasserkraftwerken – Grande Dixence SA, EOS Holding SA (heute Alpiq) und Forces motrices valaisannes SA – HYDRO gründeten, sahen sie für den Vorsitz das Rotationsprinzip unter den Gründungsaktionären vor. Nach Jean Pralong für die FMV und Michael Wider für Grande Dixence durfte ich für eine gewisse Zeit das Ruder führen.
Dieses Prinzip lässt sich auf zwei Arten interpretieren: entweder als Ausdruck einer etwas veralteten Form von Governance, bei der die Repräsentationsfunktion turnusmässig wahrgenommen wird, oder als Wille, die Kontinuität im Unternehmen sicherzustellen und jedem die gleiche Möglichkeit zu geben, dessen Zukunft mitzugestalten.
Ich tendiere eindeutig zur zweiten Lesart, denn das Geschäftsmodell von HYDRO beruht auf gegenseitigem Verständnis der Herausforderungen zwischen den Eigentümern der Kraftwerke und dem Betreiber. Und dieses Verständnis muss sich im Dialog weiterentwickeln und an die aktuellen Herausforderungen sowie an die Bedürfnisse jedes einzelnen Aktionärs anpassen.
Ein dreifacher Auftrag: Verfügbarkeit, Sicherheit, Instandhaltung
In angemessener Distanz zum operativen Geschäft nimmt der Präsident gemeinsam mit dem gesamten Verwaltungsrat sowohl die Aufsicht als auch die «Oberleitung» wahr, wie es im Obligationenrecht heisst. Bei HYDRO verkörpert der Verwaltungsratspräsident den Gründergeist und sorgt für dessen Wahrung. Die Gründer übertrugen HYDRO und dem Betriebspersonal nämlich einen dreifachen Auftrag: das Beste aus den Anlagen herauszuholen, die Sicherheit zu erhöhen und die Instandhaltungskosten zu optimieren. Somit sind die Aktionäre von HYDRO heute ihre wichtigsten Kunden, und die Geschäftsbeziehungen zu ihnen werden durch Rahmenverträge – im Unternehmensjargon «RV» genannt – geregelt.
Ein einzigartiges Unternehmen, ein besonderes Ökosystem
Diese Besonderheit macht HYDRO zu einem einzigartigen Unternehmen, einem besonderen Ökosystem. Aber vor welcher Herausforderung steht es? Es muss einerseits die Beziehung zu seinen Rahmenvertragskunden pflegen, ihnen das Beste geben, und gleichzeitig darauf achten, dass diese enge Beziehung seine Öffnung über die Rahmenverträge hinaus und seine Innovationsfähigkeit nicht einschränkt. Sodann muss es die Balance finden zwischen einer partnerschaftlichen Beziehung, die weit über die übliche Beziehung zwischen Lieferant und Kunde hinausgeht. Schliesslich muss es eine gesunde Distanz wahren und die Verantwortlichkeiten klar zuweisen. Denn im Jahr 2002 sahen die Gründer in HYDRO nicht nur ein Instrument zur Optimierung, sondern auch eine Plattform für den Austausch und die Weiterentwicklung von Kompetenzen, damit das Unternehmen in Zukunft weiterhin über die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten verfügt.
«Die Partnerschaften mit unseren Rahmenvertragskunden sollen gestärkt werden, indem ihre Bedürfnisse lösungs- und leistungsorientiert in den Mittelpunkt unseres Handelns gestellt werden.»
Ein offenes Ohr für die Rahmenvertragskunden und am Puls des Marktes
Mit dem Eintritt von Matthias Gäumann in die operative Geschäftsleitung im August 2025 hat eine neue Etappe begonnen. 20 Jahre nach ihrer Gründung kann HYDRO mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Die strategische Ausrichtung des neuen Direktors entspricht ganz dem Pioniergeist: pragmatisch und ehrgeizig (siehe Seiten 24 bis 27). Die Partnerschaften mit unseren Rahmenvertragskunden sollen gestärkt und ihre Bedürfnisse lösungs- und leistungsorientiert in den Mittelpunkt unseres Handelns gestellt werden. Auch die Öffnung über den historischen Rahmen hinaus ist ein begrüssenswertes Ziel. Sich noch stärker dem Markt stellen und die eigenen Leistungen mit denjenigen der Konkurrenz vergleichen: Dies wird dem Unternehmen zweifellos neue Entwicklungschancen eröffnen, von denen in erster Linie seine Aktionäre und langjährigen Kunden profitieren werden.
Ein solides Fundament für eine hohe Flexibilität
Ich übergebe mein Amt mit gutem Gewissen an meinen Nachfolger und habe volles Vertrauen in die neue Direktion und die erneuerten Ziele von HYDRO. Das Unternehmen stützt sich – wie die Wasserkraft in einem sich wandelnden Energiesystem – auf ein solides Fundament, das ihm die nötige Agilität verleiht. Ich danke der Direktion und allen Mitarbeitenden von HYDRO für ihr Engagement und ihre Begeisterung. Die zahlreichen Begegnungen im Unternehmen werde ich in guter Erinnerung behalten.
Amédée Murisier
Präsident